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Gründe für Venezuelas Scheitern

Von Michael Rowan | El Universal

23.07.05 | Während der vergangenen zwanzig Jahre hat China 200 Millionen Menschen aus der Armut befreit; die historische Heimat der Hungersnöte und der Auswanderung, Irland, ist zu Europas zweitreichstem Land geworden; Singapur hat Japans dramatischen Eintritt in die Erste Welt nachvollzogen; Costa Rica und Chile haben die Armut jeweils um mehr als die Hälfte reduziert; und Mexiko und Brasilien sind auf bestem Wege, zu globalen Wachstumsmotoren zu werden. Alle diese Erfolgsbeispiele beruhen auf derselben Strategie: Die Länder öffneten sich gegenüber der Weltwirtschaft, investierten in die Bildung ihrer Bevölkerungen, nutzten nationale Wettbewerbsvorteile und förderten das private Unternehmertum.

Keines der Erfolgsbeispiele hat getan, was Venezuela in 1976 begann und heute mit aller Macht vollendet: Die Verstaatlichung der Industrie, die Unterdrückung unabhängiger wirtschaftlicher Akteure, die strenge Regulierung wirtschaftlicher Transaktionen und Rechte sowie scharfe Angriffe gegen die Funktionsweise der Weltwirtschaft. In China ergaben sich wirtschaftliche Verbesserungen vor allem für diejenigen Chinesen, die in den weltoffenen Handelsregionen leben, nicht jedoch für die ländlichen Chinesen, die noch immer gezwungen sind, im Feudalismus, im Elend und unter der kommunistischen Knute zu verharren. Kuba verharrt ebenfalls in einem solchen Zustand, während Venezuela sich darauf hinbewegt, als wäre es Utopia.

Viele Venezolaner haben schon vor langem erkannt, dass die Verstaatlichung unsinnig war, aber die traditionellen politischen Parteien weigerten sich, die Realität anzuerkennen. Die venezolanische Titanic wurde vor zwei Jahrzehnten aufgeschlitzt und geht seitdem stetig unter. Die nationale Führung war damit zufrieden, sich an den Schalthebeln der Macht abzuwechseln und Musik und Champagner zu genießen, während das Schiff langsam sank. Venezuela hat finanzielle Ressourcen im Umfang von zwölf Marshallplänen verschwendet, während Armut und Korruption neue Löcher in die Hülle des Staatsschiffes rissen. Und noch immer wird den Armen, die inzwischen 80% der Bevölkerung darstellen, Tendenz steigend, keine Alternative geboten.

Die Alternative ist offensichtlich: Dem Staat sollten große Teile seiner Macht und seiner Gelder entrissen und auf die Bevölkerung übertragen werden. Das Eigentum am Staatsvermögen und an den staatlichen Unternehmen sollte zu gleichen, unveräußerlichen Anteilen an die 28 Millionen Bürger übertragen werden. Für die Bevölkerung müssen Anreize geschaffen werden, ihr Vermögen in wettbewerbsfähige Unternehmen zu investieren, die den Bürgern gehören und ohne Einmischung seitens des Staates geführt werden. Die Militärausgaben sollten wie in Costa Rica komplett in die Bildung umgeleitet werden. Mit anderen Worten: Das Öl sollte gesät werden, wie vor sechzig Jahren von Arturo Uslar Pietri empfohlen; das wäre auch heute noch sinnvoll. [Übersetzung von John E.]



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